Der Wallberg als Ausgangspunkt großer Streckenflüge hat Geschichte geschrieben. Das Streckenfliegen in Deutschland hat hier mehr oder weniger begonnen und es wurden entscheidende Impulse für andere Streckenflugreviere gesetzt. Aber nicht nur in Deutschland ist der Wallberg bekannt. Deutsche Rekorde wurden hier erflogen, Weltbestleisungen und sogar ein Weltrekord. Das ist umso erstaunlicher, wenn man die Nachteile des Wallberges als Startplatz für Streckenflüge betrachtet. Der Thermikbeginn ist im Vergleich zu anderen Gebieten eher spät, der Nordhang ist nicht gerade für Hammerthermik bekannt und der bayrische Wind sorgt ab dem späten Frühjahr für zunehmende Zufuhr stabiler Luftmassen. Spätestens nach 30 Kilometern stellt sich zudem das Inntal in den Weg. Eine Talquerung von ca. 6 -10 Kilometer wird fällig, will man darüber hinaus fliegen. Außerdem findet man keine langgestreckten Täler, denen man an einer Wolkenstraße klebend folgen könnte. Die finden sich erst im oberen Inntal oder im Pinzgau. Macht also erstmal 60 Kilometer zum Warmfliegen. Trotzdem hat sich der Wallberg zu einem Streckenflugmagneten entwickelt. Und das nicht nur durch den Ehrgeiz und den Ansporn der Konkurrenten untereinander in dieser verschworenen XC-Gemeinde, sondern auch durch die Förderung des Cross Country Fliegens durch den Tegernseer Club. Preise bis zu DM 12.000 sorgen für entsprechende Attraktivität und machen den Wallberg Cross Country zum am besten dotierten Gleitschirmwettbewerb in Deutschland.
Vor allem gilt aber immer noch das alte Geheimnis des Erfolges. Die einen machen etwas vor und die anderen folgen nach. Das ist ein echter Selbstläufer. Nicht umsonst haben wir im Club die meisten aktiven Streckenflieger in Deutschland vereint, mit bis zu fünf! Mannschaften im Streckenflugpokal und dem Dauerabonnement auf den Mannschaftssieg. Damit das hoffentlich so bleibt und als kleinen Rückblick habe ich als Ansporn für alle XC-Begeisterten eine kleine (Gleitschirm)-Streckenflughistorie zusammengestellt.
1982 Noldi Kummer stürzt sich als erster mit einem Sprungfallschirm den Wallberg hinunter. Es existieren sogar Filmdokumente eines waghalsigen Startes vom Ostgrat! Ein Zielflug zum Café Kreuz scheiterte noch am Gleitwinkel »1 zu Stein«.
1987 Nach einigen Jahren Ruhe wird es am Wallberg hektischer. Die nun legalisierten Gleitschirmflieger fallen wie ein Heuschreckenschwarm über den Wallberg her und werden von den Drachenfliegern bis auf´s Messer und teilweise mit der bloßen Faust bekämpft. Ein Zielflug zum Landeplatz ist schon ein Erfolg. Die Gleitwinkel sind immer noch so schlecht, daß ein Überfliegen der Seilbahntrasse streng verboten ist.
Sepp
Gschwendtner
1988 Der höchste sportliche Ehrgeiz besteht darin, den Gleitschirm durch merkwürdige Flugmanöver in zerknüllte Formen zu bringen. Besonders Peter Raderschadt, in der Folge auch »Raderstall« genannt, macht sich hier einen Namen. Einige, die bereits versuchen »auf Strecke« zu gehen, werden von den Zurückgebliebenen für verrückt erklärt. Trotzdem gelingt Sepp Gschwendtner ein erster Flug über die Bodenschneid mit anschließendem weiten Fußmarsch. Das ist umso bemerkenswerter, als sich unter seinen damaligen Schirm »Gemma« heutzutage niemand mehr hängen würde. Auch Torsten Hahne überquert die Bodenschneid mit einem Magic E, landet im Freudenreich (heißt wirklich so, ist aber nicht so erfreulich und liegt zwischen Bodenschneid und Brecherspitze) und geht 4 Stunden zu Fuß zur Talstation zurück. Sepp Gschwendtner erreicht schließlich als erster nach abenteuerlichem Flug die Talstation der Wendelsteinbahn (14 km), der erste dokumentierte Streckenflug mit dem Gleitschirm in Deutschland.
1989 Das Streckenfliegen wird legalisiert und es gibt Überlandkennzeichen. Die echten XC-Enthusiasten erkennt man jedoch am fehlenden Kennzeichen. Die wirklichen Könner bleiben nämlich am Hausberg, tragen einen Overall mit der Aufschrift »DHV-Pilot« und führen ihr unübersehbares Überlandkennzeichen im Direktflug zum Landeplatz. Andere Piloten bleiben bei den Turnübungen unter ihren Schirmen. Das Öffnungsverhalten der Reserve wird häufiger knapp über Grund erprobt. Man erwägt bereits, einigen ein Überlandkennzeichen an den Notschirm zu kleben. Aber im Großen und Ganzen ist 1989 die Geburtsstunde des Streckenfliegens am Wallberg. Es gibt endlich Gleitschirme, die eine Gleitzahl über 5 aufweisen. Im April fliegt Torsten Hahne mit einem Swift 46 nach Bayrischzell und landet ziemlich verwirrt mit einigen Drachen aus dem Club auf dem Rückweg in Geitau. Im Juli erreichen Martin Cornell mit einem Falhawk Athlete und Torsten Hahne mit seinem Swift Kiefersfelden (30 km). Das Zurücktrampen über das Sudelfeld auf den Rücksitzen zweier »Hells Angels« Motoradfahrer bleibt beiden unvergeßlich.
1991 Das neue Hauptreiseziel heißt Kössen. Als Anreiz schreibt der Club die Prämie diesmal für einen Zielflug nach Maishofen am Zeller See aus. Als Torsten Hahne dort ankommt hat er noch soviel Höhe, daß er nach dem Zielfoto ein paar Kilometer dranhängt und nach St. Johann im Pongau fliegt (111km). Am gleichen Tag wählt Claus Sennhofer eine ganz ungewöhnlich Flugroute über Pendling, Hohe Salve und Kitzbühel in das Pinzgau. Diese Flugstrecke ist bis heute kein einziges Mal wiederholt worden. Sepp Gschwendtner fliegt die erste große geschlossene Aufgabe vom Wallberg zum Sudelfeld und zurück (32 km).
1992 Sepp Gschwendtner erweitert seine geschlossene Aufgabe auf ein flaches Dreieck mit den Wenden Walleralm und Ringberg (42 km). Tilo Siebold fliegt auf der Nordroute über Wall nach Bürstling. Die Querung des Inntals gelingt in diesem Jahr bereits 12 Piloten.
Startfoto
Wallberg Talstation
1993 Zielflüge auf geknickter Bahn über Kössen werden nun immer häufiger durchgeführt. Klassische Landeplätze sind St. Martin, Hochfilzen, Saalfelden und Leogang. Alle diese Ziele werden von mehreren Piloten öfters erreicht. Hansi Lex scheitert nur knapp an einem FAI-Dreieck mit den Wenden Wallberg TS-Trainsalm-Rofanbahn. Auch der Versuch eines Ziel-Rück zur Rofanbahn endet äußerst knapp beim Rückflug in der Langenau. Auch Richtung Westen wird nun öfter geflogen. Sepp und Torsten ereichen in dieser Richtung Habbach bzw. Großweil.
1994 Bereits
sehr früh im Jahr kann Martin Walleitner auf abenteuerlichen Wegen
bis zum Kreuzjoch im Zillertal und wieder zum Achensee zurückfliegen.
Er wird mit diesem Flug zum Wegbereiter einer ganz neuen Strecke, die ab
1995 zum Renner werden soll. Christoph Kirsch kann bereits im April als
erster das bereits häufig versuchte FAI-Dreieck Wallberg-Rofan-Kufstein
vollenden (89 km). Ziel-Rück-Flüge ins Rofan werden von mehreren
Piloten geflogen, als erster vollendet Sepp diese Route. Mit dieser Erfahrung
kann Sepp noch Ende Juli ein neues FAI-Dreieck Wallberg-Köglalm-Schönfeldalm
kreieren und zweimal umrunden (63 km). Martin Walleitner kommt auf der
Westroute bis zum Ammergebirge. Peter Rummel erreicht Oberau im Loisachtal.
Tilo Siebold fliegt zum Hafelekar oberhalb von Innsbruck (51 km).
1995 Torsten Hahne eröffnet am 4.Mai mit einem Zielflug über das Gerlossteinhaus nach Hollersbach einen neuen Weg in das Pinzgau. Ende Juni kann er auf dieser Strecke einen Zielflug bis Taxenbach durchführen (133 km). Die neue Streckenführung wird mit unterschiedlichen Zielpunkten im Pinzgau von mehreren Piloten wiederholt. Der 6. Mai kann als Hammertag bezeichnet werden. Mehr als 10 Piloten überfliegen die 100-Kilometer-Marke. Torsten kann mit 192 km nach Irdning den alten Rekord über 111 km nach St. Johann i.P. einstellen. Dieser Flug ist bis heute die weiteste von Deutschland aus gestartete dokumentierte Gleitschirmstrecke. Im Juni stellt Sepp Gschwendtner auf der Westroute eine neue Bestmarke mit einem Zielflug über die Erfurter Hütte nach Landeck auf (120 km).
1996 Sepp Gschwendtner und Christoph Kirsch fliegen vom Wallberg nach Immenstadt (108 km). Christian Blum kann die Jenner TS in Berchtesgaden erreichen (90 km). Torsten Hahne erreicht Radstadt (130 km) und Rauris (136 km).
Blick
auf das Tal aus Richtung Norden
1997 Sepp Gschwendtner erreicht auf der Westroute sein Ziel in Sonthofen (116 km) und versucht einen ausgeklügelten Zielflug auf geknickter Bahn über die Aiplspitze nach Sonthofen, muß sich aber in Vils nach 109 km geschlagen geben. Tilo Siebold ist mit einem völlig neuen flachen Dreieck über Ebnerjoch und Hafelekar fast erfolgreich. Er landet kurz vor seinem Ziel am Wallberg nach 107 km. Ansonsten wird es bei den Vorgaben der letzten Jahre immer schwieriger weiter entfernte Ziele zu erreichen oder neue Streckenführungen auszukundschaften. Aber auf den bekannten Routen wird fleißig geflogen und Punkte gesammelt. Das Streckenfliegen am Wallberg hat ein Niveau erreicht, das seinesgleichen sucht. An guten Tagen gehen bis zu 50 Piloten ernsthaft auf Strecke. Selbst an Tagen mit nur geringer Basishöhe wird über 100 km weit geflogen. Es bleibt zu hoffen, daß der Enthusiasmus weiter anhält und wir noch mit einer Reihe weiterer interessanter Flüge in den nächsten Jahren überrascht werden. Die Überquerung des Alpenhauptkammes oder die 200 km sind nur zwei der unzähligen reizvollen Aufgaben.
1998 Die Wallbergbahn
wird umgebaut, durch längere Schließung wegen Revision entdecken
viele Piloten wieder die Möglichkeit, Strecken mit dem Gleitschirm
im Rucksack und zu Fuß durchzuführen. Im April können lediglich
Torsten Hahne und Sepp Gschwendtner Flüge um die 100 km durchführen.
Erst wieder im Juni werden weitere Flüge durchgeführt. Am 9.
Juni schafft Stefan Bocks den weitesten Flug des Jahres am Wallberg. Er
vollendet einen Zielflug mit Wende Gerlossteinhaus und erreicht nach acht
Stunden Flug und 165 km sein Ziel, die Einfahrt Nord des Tauerntunnels.
Der 20. Juni ist dann der nächste
herausragende Streckenflugtag, viele Piloten fliegen weite Aufgaben, Tagesbester
ist Sepp Gschwendtner mit einem Zielflug über das Gerlossteinhaus
bis nach Wörth, eine Strecke von 136 km.
Alles in allem ist das Jahr 1998 wettermäßig
ein bescheidenes Jahr. Trotzdem ist erstaunlich, wie die wenigen Streckenflugtage
von einer großen Zahl Piloten so gut als möglich genutzt werden.
1999 Um das
Streckenfliegen am Wallberg zu fördern, bietet der Club im April ’99
ein Streckenflugseminar an. Die Referenten Hahne und Gschwendtner sind
mit dem wachsenden Interesse der sogenannnten Normalpiloten am Streckenfliegen
für über 100 Zuhörer Grund genug, sich in Bad Wiessee einzufinden.
1999 ist kein Jahr der Superflüge.
Die klassischen Routen werden beflogen, der weiteste Flug geht 121
km über Oberschwarzach und Nieders, ein Zielflug mit angehängter
freier Strecke, durchgeführt von Willi Brunner am 03. 07. 99. Sepp
Gschwendtner kann am 29. 05. ein FAI-Dreieck von 84 km vollenden (mit den
Wenden Eben-Kirche und Höhlensteinhaus). Erwähnenswert ist noch
ein Flug nach Westen, Johannes Sturm fliegt am 23. 06. die seltene Route
nach Füssen, ein Zielflug von 78 km.
Auch 1999 werden die Streckenflieger am
Wallberg nicht mit den besten Verhältnissen belohnt. Vor allem sind
in den letzten Jahren die wenigen wettertechnisch nutzbaren Tage meist
Süd-/Süwestwindlagen. Bei etwas zu hoher Windstärke werden
Aufgaben Richtung Süden fast unmöglich und in diese Richtung
führen die wirklich großen Streckenaufgaben.
2000 Endlich
wieder ein Hammerjahr.
Das Jahr 2000 wird endlich wieder mal
ein Wallbergjahr. Bis zum Ende des Wallberg-XC-Cup werden Flüge mit
an die 2400 Gesamtkilometer gewertet (eingereicht noch hunderte Kilometer
mehr). Die Flüge werden an 11 (!) verschiedenen Tagen durchgeführt,
die meisten davon im Mai. Der 9. und 10. Mai sind die ergiebigsten Tage
des Jahres, wobei der Sieger des Wallberg-XC seine Flüge trotzdem
am 23. 5. und am 17. 06. startet. Burkhard Martens erreicht mit einem nicht
vollendeten flachen Dreieck über Gnadenwald und Marienbergjoch bis
Jenbach 137,5 km und einem Zielflug über Kössen bis Schladming
und angehängter freier Strecke bis Großsölk 167,2 km
und damit die Gesamtpunktzahl von 423. An diesen Tagen vollendet niemand
sonst seine Aufgaben.
Am 9. und 10. Mai werden Zielflüge
mit angehängter freier Strecke über 166, 125, 118, 97, 125 und
116 Kilometer vollendet. Außerdem schafft Tilo Siebold ein flaches
Dreieck über 109 Kilometer (über Astenaualm und Hafelekar).
Erwähnenswert außerdem die Tatsache, daß am 10. 05. zweimal
das klassische Wallberg-FAI-Dreieck (Astenaualm und Eben, Pendling - 86
und 88 km) geflogen wird und zwar einmal links- und einmal rechtsrum. Die
Liste der besonderen Flüge endet mit einem Zielrück von Stefan
Mast, die Wende ist am Kreuzjoch. Um seinen Flug mit 99 km zu vollenden,
muß Stefan zweimal das Inntal queren. Wer schon öfter vom Wallberg
auf Strecke ging oder dies noch tun wird, wird wissen, wie schwierig die
Inntalquerung schon nur einmal sein kann.
Nicht unerwähnt darf ein besonderer
Flug bleiben, der zwar punktemäßig nicht ergiebig ist, dafür
aber trotzdem ein Novum darstellt. Willi Brunner gelingt am 15. 05. die
erste Alpenhauptkammüberquerung vom Wallberg aus, er landet in der
Nähe von Bruneck im Pustertal (Südtirol).
Um die Qualität der eingereichten
Flüge nochmal herauszustellen, ein Pilot mit einem Zielflug mit angehängter
freier Strecke über 116 km und 161 Punkten kommt heuer im Wallberg-XC
auf Platz 13.
Zusammengefaßt läßt sich
sagen, daß Flüge in eine Richtung immer noch sehr beliebt sind,
aber mittlerweile auch am Wallberg immer mehr Piloten versuchen, geschlossenen
Aufgaben zu vollenden.
2001 Was folgt
auf ein Hammerjahr, richtig - ein besch..eidenes Streckenflugjahr. Man
könnte auch sagen, das Motto heuer war „....vom Winde verweht“. Schönes
und flugtaugliches Wetter zum Streckenfliegen trat in diesem Jahr übermäßig
oft nur in Verbindung mit starkem West- bis Nordwind auf. Die Fliegbarkeit
der einzelnen wenigen guten Tage war dann auch (jedenfalls in Punkten meßbar)
von der Tagesform und der Motivation der einzelnen Piloten abhängig.
Es gab fast keinen Tag, an dem mehrere Piloten in ihr Ziel kamen. Obwohl
also die Risikofreudigkeit (oh, ich flieg ja mit 75 km/h über Grund,
was kann das wohl bedeuten) arg strapaziert wurde, waren trotzdem alle
sicher in der Einschätzung der Wettersituationen in Zusammenhang mit
ihrem Flugkönnen. So war auch 2001 auf Strecke vom Wallberg aus kein
Unfall zu vermerken.
Die weiteren Flüge gingen bis
auf einen Tag, den 26. 05., über die bewährte Ostroute (Richtung
Kössen) oder waren abgebrochene Dreiecksversuche. Die Südroute,
die auch „Normalpiloten“ erfolgreiche Kilometerjagd verspricht, fiel aus.
Trotzdem wurden natürlich von den im Gelände erfahrenen Piloten
wieder weite Strecken geflogen.
Insgesamt wurden in den beiden Klassen
(der Sportklasse von DHV 1 bis, heuer zum erstenmal, DHV 2 und der offenen
Klasse über DHV 2) 1.950 km gewertet (eingereicht entsprechend mehr).
Die Aufwertung der Sportklasse um Schirme mit DHV-Gütesiegel 2 hatte,
ähnlich wie im DHV-XC, zur Folge, daß in dieser Klasse mehr
Piloten als in der offenen Klasse teilnahmen.
Der weiteste Flug gelang Willi Brunner
mit einem Zielflug auf geknickter Bahn und freier Strecke. Der Flug ging
mit 154 km über Kössen und das Riemannhaus bis nach Haus im Ennstal.
Willi gewann auch die offenen Klasse mit 342 Punkten.
Die Sportklasse gewann Torsten Hahne mit
250 Punkten. Mit starkem Wind waren dann auch die Tage mit Dreiecksversuchen
nicht von Erfolg gekrönt, der weiteste gelang Peter Hennig mit 126
geflogenen Kilometern auf flachem Dreieckskurs und Landung ca. 15 km vor
dem Ziel. Der angesprochene 26. 05., an dem Flüge nach Süden
möglich waren, konnte von Johannes Sturm mit 126 km nach Taxenbach
am besten genutzt werden.
2002 Im Jahr
2002 wurden vom Wallberg aus so viele Streckenflüge dokumentiert wie
noch nie. Das lag mit Sicherheit am neuen Dokumentations- und Eingabemodus
für die deutsche Streckenflugmeisterschaft, seit 2002 auch Onlinecontest.
Es wurden aber auch so viele Flüge
über 100 Km gemacht wie noch nie. Meiner Meinung nach war 2002 aus
Streckenfliegersicht ein gutes Wallberg-Jahr.
Es ging schon ungewöhnlich früh
los. Im März wurden schon einige ganz interessanten Flüge eingegeben.
Sepp Gschwendtner flog bereits am 12.03. ein 37 km FAI-Dreieck. Der beste
Tag im März war aber der 13.03. im Bereich Setzberg/Grubereck ging
es auf 3400 m NN. Wotschi nutzte den Tag am besten und flog bis zum Hinteren
Sonnwendjoch und zurück (44 km). Richtung Süden ging nichts,
weil in der Höhe doch deutlicher Südwind herrschte.
Im April ging nicht viel vom Wallberg
aus.
Anfang Mai war auch noch nicht viel los,
aber am 17.05. war der erste Hammertag des Jahres am Wallberg. Obwohl die
„Profis“ an anderen Bergen waren, wurden vier Flüge über 100
km dokumentiert; alle über das Zillertal ins Pinzgau gingen (Peter
Hennig 155 km, Babsi Lacrouts 123 km, Bernd Hübner 120 km, Nichtclubmitglied
Claus Vischer 106 km).
Dass dies auch wo anders der „Tag des
Herrn“ war, zeigten Cristoph Kirsch und Sepp Gschwendtner. Sepp gelang
vom Hochfelln aus mit fast 195 km der bisher weiteste Deutschlandflug mit
dem Gleitschirm und Cristoph der weiteste Alpenflug mit einem Sportklasseschirm
vom Zillertal aus mit fast 203 km.
Bei Basishöhen von 3700 m NN bereits
am Grubereck war es bis ins Rofan gegen den spürbaren Südwestwind
zäh, nach der Inntalquerung und Basis 3900 m NN am Hamberg gings zügig
weiter Richtung Kaprun.
Vom 30.05. bis 02.06. waren wieder sehr
gute Wallbergstreckentage an diesen Tagen wurden mehrere Flüge über
100 km gemacht. Die Routen führten sowohl über Kössen
als auch übers Zillertal. Willi Brunner und Torsten Hahne flogen am
01.06. 173 und 170 km Richtung Osten. Willi ist vom 31.05. bis 02.06. 450
km geflogen.
Mitte Juni waren noch zwei Tage an denen
gute, aber keine außergewöhnlichen Flüge vom Wallberg aus
geflogen wurden.
Der DGCTT war im abgelaufenen Streckenflugjahr
im DHV-OLC so erfolgreich wie gewohnt. Mit 36 Teilnehmern war der
DGCTT eine Macht, von diesen 36 Piloten wurden über 12 600 km dokumentiert
(von Sepp Gschwendtner allein über 2500 km).
2003 Würde
die Überschrift „Rückblick auf die Flugsaison am Wallberg“ lauten,
wäre ein „Super“ sicher nicht übertrieben, denn von Ende März
bis Ende August konnte man heuer am Wallberg so oft fliegen, wie schon
lange nicht mehr.
Aus Sicht der Streckenflieger muss man
da doch einige Einschränkungen machen. Die richtig guten Streckentage
waren am Wallberg in der zurückliegenden Saison recht selten.
Nach einigen kleinen Rundflügen im Tal wurde die Streckensaison am 25.03. von Martin Walleitner mit einem für diese Jahreszeit recht ungewöhnlichen 55 km Zielrück zum Rofan eröffnet. Dass es so früh im Jahr schon recht gut ging, bewies Sepp Gschwendtner dann am 28.03. indem er ein FAI-Dreieck über 85 km flog (soweit ich mich erinnern kann, der punkthöchste Flug, der vom Wallberg aus im März je gemacht wurde).
Nach ca. einem Monat „Pause“ waren am 24.04.
mehr als 50 Streckenjäger am Startplatz Alm versammelt. An diesem
Tag wurden 34 Flüge mit Startplatz Wallberg beim OLC eingereicht.
Am weitesten flog an diesem Tag überraschender
Weise ein Drachenflieger: ruhig Blut, es war keiner vom DGCTT (Oli Straten
war an diesem Tag nicht am Wallberg). Franz Forster von den Isarwinklern
flog 125 km nach St. Johann i. Pongau. Mit dem Schirm flog Sepp Gschwendtner
über Kössen nach Taxenbach und kam mit 106 km am weitesten.
Einige kamen bis Waidring oder Kössen, die meisten standen, wie so
oft, im Inntal.
Auch am 25.04. saß wieder eine ganze
Horde Streckenflieger am Startplatz Alm; 27 Piloten reichten ihre Flüge
beim OLC ein. Knapp die Hälfte davon flog Richtung Süden, der
Rest Richtung Osten. An diesem Tag flogen 7 Piloten über 100 km, davon
4 vom DGCTT (alle über den Gerlospaß in den Pinzgau),
am weitesten flog wieder der Sepp mit 144 km.
Nun dauerte es wieder über einen Monat
bis richtig gutes Streckenflugwetter kam. Kaum war die Ende Mai am Wallberg
ausgetragene Bayer. Meisterschaft der Drachenflieger vorbei, wurde das
Wetter wieder gut. So wurde am 02. und 03. Juni 5 mal über 100 km
geflogen.
Am 02.06. flog Oli Straten ein 124 km
flaches Dreieck. Am 03.06. flog Willi Brunner 125 km bis in den Pinzgau.
An den beiden Tagen waren insgesamt nur 13 Streckenflüge vom Wallberg
aus im OLC registriert.
Im Juli ging streckenfliegerisch am Wallberg nichts aufsehenerregendes mehr und alle gingen davon aus, dass es für dieses Jahr mit den weiten Flügen vom Wallberg vorbei ist.
Anfang August ging es am Wallberg aber
dann doch noch recht gut. Zum Streckenfliegen war allerdings oft zu starker
Wind. Am 13.08. waren noch einmal einige Streckenflieger am Starplatz Alm
versammelt, nachdem es recht spät thermisch wurde, war der Optimismus
gedämpft. 6 Piloten gingen dann Richtung Süden auf Strecke, alle
flogen über 100 km. Am weitesten flog Toni Haslauer mit knapp 160
km über den Alpenhauptkamm nach Lienz in Osttirol, wohl einer der
spektakulärsten Flüge vom Wallberg aus überhaupt.
Nach dem 13.08. kam ein Wetterumschwung
und beendete die Streckenflugsaison am Wallberg.
Grundsätzlich
stehen dem Streckenflugaspiranten vom Wallberg aus alle vier Himmmelsrichtungen
offen. Der Weg nach Norden wird allerdings recht bald durch das Bayerische
Voralpenland und den aus Norden anströmenden Ausgleichswind erschwert.
Bis an die Gindelalmschneid sind ca. 12 km zurückzulegen. Obwohl Füge
nach Wall oder Kreuzstrasse und zurück bereits durchgeführt wurden,
ist diese Routenführung nur an sehr windschwachen Tagen ohne deutlichen
Talwind, also am ehesten im Herbst oder zeitigem Frühjahr, zu empfehlen.
Ein Flug für Insider. Wer sich trotzdem Richtung Norden versucht und
an der Baumgartenschneid scheitert kann hier am Cafe Kreuz, dem offiziellen
Landeplatz der Drachen niedergehen.
Die drei weiteren Himmelsrichtungen werden
häufiger beflogen und können alle mit einem Potential weit jenseits
der 150 km Marke aufwarten.
XC-Neulinge sollen für ihren ersten Flug nach Osten am Wallberg eine Basishöhe von mindestens 2.400 m MSL erreichen. Das sichert den Anschluß an der Bodenschneid und an den weiteren Thermiktankstellen jeweils über Gratniveau. Tückische Leefallen werden so umgangen, das Absaufrisiko minimiert und die Steigwerte über dem Grat sind ohnehin meistens besser. Die Bodenschneid sollte aus Rücksicht auf in diesem Bereich nistende Adler und den Seelenfrieden der selbsternannten Naturschützer ohnehin über dem Grat angeflogen werden.
Findet man dort keine Thermik ist es vom Gratniveau der Bodenschneid immer noch möglich, den offiziellen Gleitschirmlandeplatz, zumindest aber den Drachenlandeplatz am Cafe Kreuz zu erreichen.
Der nächste Landeplatz Richtung Osten befindet sich in Neuhaus und ist von der Bodenschneid, der Brecherspitze oder dem Jägerkamp problemlos anzufliegen. Achtung! Im Bereich des Spitzingpasses ist mit auffrischenden nördlichen Talwinden zu rechnen. Aussenlandungen in diesem Bereich oder weiter südlich sind auf jeden Fall zu vermeiden. Der beste Bart steht ohnehin am nördlichen Ausläufer des Jägerkampes, der Nagelspitze.
Auf dem Weiterflug nach Osten muß der Segelflugplatz in Geitau in ausreichender Höhe von mindestens 1.400 m MSL überflogen werden, um die Segelflieger nicht bei der Platzrunde oder beim Schleppvorgang zu behindern. Die Segler werden mittels Winde geschleppt. Der Start erfolgt immer nach Norden, die Landungen immer nach Süden. Am Seeberg ist bei der gemeinsamen Thermiksuche natürlich auf die bestehenden Hangflug- und Vorfahrtsregeln zu achten.
Warnung! Der von den Segelfliegern häufig genutzte Leebart auf der Südwestseite des Seeberges ist nur für ausgezeichnete Textilpiloten und auch dann nur über Grathöhe auszukurbeln.
Landeplatz
Bayrischzell
In Bayrischzell ist der nächste offizielle Landeplatz an der Straßenkreuzung in das Ursprungstal zu finden. Dieser ist von allen Seiten problemlos anzufliegen und mit einem großen Windsack markiert.
Vor dem Weiterflug Richtung Inntal ist
die Windrichtung am Vogelsang abzuschätzen. Nicht selten setzt sich
der Talwind aus dem Inntal gegen den überregionalen Westwind durch
und kommt über das Sudelfeld geströmt. Großflächige
Leeturbulenz an den Westhängen des Vogelsangs sind die Folge. Große
Windsäcke an den Startplätzen erleichtern die Beurteilung der
Situation. Für einen sicheren Abflug in das Inntal mit der Option
auf weiteren Anschluß am Zahmen Kaiser sollte die Abflughöhe
am Sudelfeld nicht unter 2.500 m MSL liegen.
Über die Blauberge hinweg zum Achensee
Nach dem Wallberg ist das Grubereck bzw. der Risserkogel die nächste sichere Thermiktankstelle. Auf ausreichende Höhe über dem Grat ist zu achten. Keinesfalls unter Gratniveau in die Südseite dieser Berge einfliegen! Heftiges Lee mit Schleuderwaschgang ohne sichere Landemöglichkeiten sind zu erwarten. Vor dem Weiterflug ist Basishöhe Pflicht, um an den Blaubergen Anschluß zu finden. Der einzige Notlandeplatz ist bei Wildbad Kreuth. Die Wiesen sind groß, bei Talwind aber ziemlich turbulent. Der Notlandeplatz bei Siebenhütten am Fuß der Blauberge ist zu meiden. (Leeturbulenz durch Bäume)
Ebenso muß an den Blaubergen vor dem Weiterflug auf ausreichende Höhe geachtet werden. Der Gleitweg zu den nächsten Außenlandeplätzen in Achenkirch ist weit. Thermik ist an der Natterwand häufig zu finden, allerdings stark pulsierend. Außenlandungen auf der Südseite der Blauberge sind an Hochalmen möglich, aber teilweise durch Hanglage und Windsituation sehr anspruchsvoll. Außerdem muss in diesem Fall ein mehrstündiger Fußmarsch in Kauf genommen werden. An der Straße von Achenkirch nach Steinberg sind ebenfalls keine vernünftigen Landeplätze vorhanden.
Das Gleiche gilt für den weiteren
Flugweg vom Unnütz zum Rofan. Am Ufer des Achensees kann bis kurz
vor Maurach nicht sicher gelandet werden! Einzige Notlandeplätze sind
Hochalmen auf ca. 1.400 - 1.700 m MSL. Als sichere Abflughöhe am Unnütz
können 2.800 m bis 3.200 m MSL angegeben werden. Mit diesen Höhen
kann ohne großes Absaufrisiko das Kotalmjoch an der Nordseite des
Rofan angeflogen werden. Und von dort ist es zum Landeplatz in Maurach
nur mehr ein Katzensprung. Der am Seeufer liegende Landeplatz des Sicherheitstrainings
nördlich von Maurach darf nur in Notsituationen angeflogen werden.
Mit kräftigen Talwinden aus Nord oder Süd ist zu rechnen!
Bei Winden aus östlichen Richtungen befinden sich nämlich sämtliche Startplätze am Wallberg im Lee! Mit zunehmender Thermik verstärkt sich diese Lee-Situation an den Startplätzen gewaltig. Der Start bei einem geplanten Streckenflug nach Osten sollte also möglichst frühzeitig zwischen 10 Uhr bis spätestens 12 Uhr mittags erfolgen. Der thermische Anschluß ist in diesem Fall eher unproblematisch, da die Ostseite des Wallberges um diese Uhrzeit bereits thermisch voll aktiv ist. Bei schwächerem Ostwind ist ist ein Start an der Alm teilweise möglich, ansonsten ist ein sicherer Start nur am Gipfel durchzuführen. In jedem Fall ist die Windsituation immmer kritisch zu prüfen und im Zweifelsfall sollten die erfahrenen Fliegerkollegen um Rat gefragt werden.
Eine
Alternativmöglichkeit bei Ostwind ist der Startplatz Bucherhang oberhalb
von Bad Wiessee mit 120 m Höhendifferenz. Auch von hier aus sind beachtliche
Strecken möglich.
Ob vom Wallberg oder vom Bucherhang, der thermische Anschluss führt über den Hirschberg. Kann die Ausgangshöhe für den Weiterflug nicht erreicht werden, sollte unbedingt am Landeplatz Wallberg oder Bucherhang gelandet werden. Außenlandungen am Fusse des Hirschberges sind unbedingt zu vermeiden.
Über den Kampen und Seeberg kann die Jachenau oder über Fockenstein und Geierstein das Isartal und das Brauneck erreicht werden. Bei einem Abflug vom Hirschberg über 2.400 m kann das Isartal im Gleitflug erreicht werden. An der Talstation der Brauneckbahn ist der nächste offizielle Landeplatz zu finden. Auch im Isartal herrscht am Nachmittag kräftiger Talwind aus nördlichen Richtungen.