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Streckenfliegen



Streckenflughistorie im Gleitschirmfliegen

Der Wallberg als Ausgangspunkt großer Streckenflüge hat Geschichte geschrieben. Das Streckenfliegen in Deutschland hat hier mehr oder weniger begonnen und es wurden entscheidende Impulse für andere Streckenflugreviere gesetzt. Aber nicht nur in Deutschland ist der Wallberg bekannt. Deutsche Rekorde wurden hier erflogen, Weltbestleisungen und sogar ein Weltrekord. Das ist umso erstaunlicher, wenn man die Nachteile des Wallberges als Startplatz für Streckenflüge betrachtet. Der Thermikbeginn ist im Vergleich zu anderen Gebieten eher spät, der Nordhang ist nicht gerade für Hammerthermik bekannt und der bayrische Wind sorgt ab dem späten Frühjahr für zunehmende Zufuhr stabiler Luftmassen. Spätestens nach 30 Kilometern stellt sich zudem das Inntal in den Weg. Eine Talquerung von ca. 6 -10 Kilometer wird fällig, will man darüber hinaus fliegen. Außerdem findet man keine langgestreckten Täler, denen man an einer Wolkenstraße klebend folgen könnte. Die finden sich erst im oberen Inntal oder im Pinzgau. Macht also erstmal 60 Kilometer zum Warmfliegen. Trotzdem hat sich der Wallberg zu einem Streckenflugmagneten entwickelt. Und das nicht nur durch den Ehrgeiz und den Ansporn der Konkurrenten untereinander in dieser verschworenen XC-Gemeinde, sondern auch durch die Förderung des Cross Country Fliegens durch den Tegernseer Club. Preise bis zu DM 12.000 sorgen für entsprechende Attraktivität und machen den Wallberg Cross Country zum am besten dotierten Gleitschirmwettbewerb in Deutschland.

Vor allem gilt aber immer noch das alte Geheimnis des Erfolges. Die einen machen etwas vor und die anderen folgen nach. Das ist ein echter Selbstläufer. Nicht umsonst haben wir im Club die meisten aktiven Streckenflieger in Deutschland vereint, mit bis zu fünf! Mannschaften im Streckenflugpokal und dem Dauerabonnement auf den Mannschaftssieg. Damit das hoffentlich so bleibt und als kleinen Rückblick habe ich als Ansporn für alle XC-Begeisterten eine kleine (Gleitschirm)-Streckenflughistorie zusammengestellt.

1982 Noldi Kummer stürzt sich als erster mit einem Sprungfallschirm den Wallberg hinunter. Es existieren sogar Filmdokumente eines waghalsigen Startes vom Ostgrat! Ein Zielflug zum Café Kreuz scheiterte noch am Gleitwinkel »1 zu Stein«.

1987 Nach einigen Jahren Ruhe wird es am Wallberg hektischer. Die nun legalisierten Gleitschirmflieger fallen wie ein Heuschreckenschwarm über den Wallberg her und werden von den Drachenfliegern bis auf´s Messer und teilweise mit der bloßen Faust bekämpft. Ein Zielflug zum Landeplatz ist schon ein Erfolg. Die Gleitwinkel sind immer noch so schlecht, daß ein Überfliegen der Seilbahntrasse streng verboten ist.

Sepp GschwendtnerSepp Gschwendtner

1988 Der höchste sportliche Ehrgeiz besteht darin, den Gleitschirm durch merkwürdige Flugmanöver in zerknüllte Formen zu bringen. Besonders Peter Raderschadt, in der Folge auch »Raderstall« genannt, macht sich hier einen Namen. Einige, die bereits versuchen »auf Strecke« zu gehen, werden von den Zurückgebliebenen für verrückt erklärt. Trotzdem gelingt Sepp Gschwendtner ein erster Flug über die Bodenschneid mit anschließendem weiten Fußmarsch. Das ist umso bemerkenswerter, als sich unter seinen damaligen Schirm »Gemma« heutzutage niemand mehr hängen würde. Auch Torsten Hahne überquert die Bodenschneid mit einem Magic E, landet im Freudenreich (heißt wirklich so, ist aber nicht so erfreulich und liegt zwischen Bodenschneid und Brecherspitze) und geht 4 Stunden zu Fuß zur Talstation zurück. Sepp Gschwendtner erreicht schließlich als erster nach abenteuerlichem Flug die Talstation der Wendelsteinbahn (14 km), der erste dokumentierte Streckenflug mit dem Gleitschirm in Deutschland.

1989 Das Streckenfliegen wird legalisiert und es gibt Überlandkennzeichen. Die echten XC-Enthusiasten erkennt man jedoch am fehlenden Kennzeichen. Die wirklichen Könner bleiben nämlich am Hausberg, tragen einen Overall mit der Aufschrift »DHV-Pilot« und führen ihr unübersehbares Überlandkennzeichen im Direktflug zum Landeplatz. Andere Piloten bleiben bei den Turnübungen unter ihren Schirmen. Das Öffnungsverhalten der Reserve wird häufiger knapp über Grund erprobt. Man erwägt bereits, einigen ein Überlandkennzeichen an den Notschirm zu kleben. Aber im Großen und Ganzen ist 1989 die Geburtsstunde des Streckenfliegens am Wallberg. Es gibt endlich Gleitschirme, die eine Gleitzahl über 5 aufweisen. Im April fliegt Torsten Hahne mit einem Swift 46 nach Bayrischzell und landet ziemlich verwirrt mit einigen Drachen aus dem Club auf dem Rückweg in Geitau. Im Juli erreichen Martin Cornell mit einem Falhawk Athlete und Torsten Hahne mit seinem Swift Kiefersfelden (30 km). Das Zurücktrampen über das Sudelfeld auf den Rücksitzen zweier »Hells Angels« Motoradfahrer bleibt beiden unvergeßlich.

Torsten HahneTorsten Hahne
1990 Gleich im März fliegen Christoph Kirsch, Bernhard Sager und Torsten Hahne vom Rofan zum Café Kreuz und landen vor den Augen der verdutzten Drachenflieger. Richi Brandl muß am gleichen Tag kurz vor dem Ziel in Kreuth landen (31 km). Bayrischzell wird mittlerweile öfters erreicht. Doch es entsteht ein heißer Wettkampf um den ersten Flug nach Kössen, für den der Club DM 1.000 springen lassen will. Ende Mai überquert Stefan Mast als erster das Inntal und entjungfert es somit gleitschirmtechnisch. 5 Minuten später folgt Torsten Hahne auf einer etwas anderen Route, die direkt über die Wände des Zahmen Kaisers führt. Stefan landet in Kössen, nachdem er dort 1.000 Höhenmeter abspiralt (46km). Torsten wird vom Wilden Kaiser magisch angezogen, durchfliegt das Ellmauer Tor und macht am Kitzbühler Horn einen so gravierenden Fehler, daß er in Kitzbühl landen muß (52km). Am nächsten Tag läßt sich Torsten nicht lumpen und fliegt ebenfalls nach Kössen. Stefan und Torsten teilen sich einvernehmlich die Prämie.

1991 Das neue Hauptreiseziel heißt Kössen. Als Anreiz schreibt der Club die Prämie diesmal für einen Zielflug nach Maishofen am Zeller See aus. Als Torsten Hahne dort ankommt hat er noch soviel Höhe, daß er nach dem Zielfoto ein paar Kilometer dranhängt und nach St. Johann im Pongau fliegt (111km). Am gleichen Tag wählt Claus Sennhofer eine ganz ungewöhnlich Flugroute über Pendling, Hohe Salve und Kitzbühel in das Pinzgau. Diese Flugstrecke ist bis heute kein einziges Mal wiederholt worden. Sepp Gschwendtner fliegt die erste große geschlossene Aufgabe vom Wallberg zum Sudelfeld und zurück (32 km).

1992 Sepp Gschwendtner erweitert seine geschlossene Aufgabe auf ein flaches Dreieck mit den Wenden Walleralm und Ringberg (42 km). Tilo Siebold fliegt auf der Nordroute über Wall nach Bürstling. Die Querung des Inntals gelingt in diesem Jahr bereits 12 Piloten.

StartfotoStartfoto Wallberg Talstation

1993 Zielflüge auf geknickter Bahn über Kössen werden nun immer häufiger durchgeführt. Klassische Landeplätze sind St. Martin, Hochfilzen, Saalfelden und Leogang. Alle diese Ziele werden von mehreren Piloten öfters erreicht. Hansi Lex scheitert nur knapp an einem FAI-Dreieck mit den Wenden Wallberg TS-Trainsalm-Rofanbahn. Auch der Versuch eines Ziel-Rück zur Rofanbahn endet äußerst knapp beim Rückflug in der Langenau. Auch Richtung Westen wird nun öfter geflogen. Sepp und Torsten ereichen in dieser Richtung Habbach bzw. Großweil.

1994 Bereits sehr früh im Jahr kann Martin Walleitner auf abenteuerlichen Wegen bis zum Kreuzjoch im Zillertal und wieder zum Achensee zurückfliegen. Er wird mit diesem Flug zum Wegbereiter einer ganz neuen Strecke, die ab 1995 zum Renner werden soll. Christoph Kirsch kann bereits im April als erster das bereits häufig versuchte FAI-Dreieck Wallberg-Rofan-Kufstein vollenden (89 km). Ziel-Rück-Flüge ins Rofan werden von mehreren Piloten geflogen, als erster vollendet Sepp diese Route. Mit dieser Erfahrung kann Sepp noch Ende Juli ein neues FAI-Dreieck Wallberg-Köglalm-Schönfeldalm kreieren und zweimal umrunden (63 km). Martin Walleitner kommt auf der Westroute bis zum Ammergebirge. Peter Rummel erreicht Oberau im Loisachtal. Tilo Siebold fliegt zum Hafelekar oberhalb von Innsbruck (51 km).Gipfelkreuz

1995 Torsten Hahne eröffnet am 4.Mai mit einem Zielflug über das Gerlossteinhaus nach Hollersbach einen neuen Weg in das Pinzgau. Ende Juni kann er auf dieser Strecke einen Zielflug bis Taxenbach durchführen (133 km). Die neue Streckenführung wird mit unterschiedlichen Zielpunkten im Pinzgau von mehreren Piloten wiederholt. Der 6. Mai kann als Hammertag bezeichnet werden. Mehr als 10 Piloten überfliegen die 100-Kilometer-Marke. Torsten kann mit 192 km nach Irdning den alten Rekord über 111 km nach St. Johann i.P. einstellen. Dieser Flug ist bis heute die weiteste von Deutschland aus gestartete dokumentierte Gleitschirmstrecke. Im Juni stellt Sepp Gschwendtner auf der Westroute eine neue Bestmarke mit einem Zielflug über die Erfurter Hütte nach Landeck auf (120 km).

1996 Sepp Gschwendtner und Christoph Kirsch fliegen vom Wallberg nach Immenstadt (108 km). Christian Blum kann die Jenner TS in Berchtesgaden erreichen (90 km). Torsten Hahne erreicht Radstadt (130 km) und Rauris (136 km).

TegernseeBlick auf das Tal aus Richtung Norden

1997 Sepp Gschwendtner erreicht auf der Westroute sein Ziel in Sonthofen (116 km) und versucht einen ausgeklügelten Zielflug auf geknickter Bahn über die Aiplspitze nach Sonthofen, muß sich aber in Vils nach 109 km geschlagen geben. Tilo Siebold ist mit einem völlig neuen flachen Dreieck über Ebnerjoch und Hafelekar fast erfolgreich. Er landet kurz vor seinem Ziel am Wallberg nach 107 km. Ansonsten wird es bei den Vorgaben der letzten Jahre immer schwieriger weiter entfernte Ziele zu erreichen oder neue Streckenführungen auszukundschaften. Aber auf den bekannten Routen wird fleißig geflogen und Punkte gesammelt. Das Streckenfliegen am Wallberg hat ein Niveau erreicht, das seinesgleichen sucht. An guten Tagen gehen bis zu 50 Piloten ernsthaft auf Strecke. Selbst an Tagen mit nur geringer Basishöhe wird über 100 km weit geflogen. Es bleibt zu hoffen, daß der Enthusiasmus weiter anhält und wir noch mit einer Reihe weiterer interessanter Flüge in den nächsten Jahren überrascht werden. Die Überquerung des Alpenhauptkammes oder die 200 km sind nur zwei der unzähligen reizvollen Aufgaben.

1998 Die Wallbergbahn wird umgebaut, durch längere Schließung wegen Revision entdecken viele Piloten wieder die Möglichkeit, Strecken mit dem Gleitschirm im Rucksack und zu Fuß durchzuführen. Im April können lediglich Torsten Hahne und Sepp Gschwendtner Flüge um die 100 km durchführen. Erst wieder im Juni werden weitere Flüge durchgeführt. Am 9. Juni schafft Stefan Bocks den weitesten Flug des Jahres am Wallberg. Er vollendet einen Zielflug mit Wende Gerlossteinhaus und erreicht nach acht Stunden Flug und 165 km sein Ziel, die Einfahrt Nord des Tauerntunnels.
Der 20. Juni ist dann der nächste herausragende Streckenflugtag, viele Piloten fliegen weite Aufgaben, Tagesbester ist Sepp Gschwendtner mit einem Zielflug über das Gerlossteinhaus bis nach Wörth, eine Strecke von 136 km.
Alles in allem ist das Jahr 1998 wettermäßig ein bescheidenes Jahr. Trotzdem ist erstaunlich, wie die wenigen Streckenflugtage von einer großen Zahl Piloten so gut als möglich genutzt werden.
 

1999 Um das Streckenfliegen am Wallberg zu fördern, bietet der Club im April ’99 ein Streckenflugseminar an. Die Referenten Hahne und Gschwendtner sind mit dem wachsenden Interesse der sogenannnten Normalpiloten am Streckenfliegen für über 100 Zuhörer Grund genug, sich in Bad Wiessee einzufinden.
1999 ist kein Jahr der  Superflüge. Die klassischen Routen werden beflogen, der weiteste Flug geht  121 km über Oberschwarzach und Nieders, ein Zielflug mit angehängter freier Strecke, durchgeführt von Willi Brunner am 03. 07. 99. Sepp Gschwendtner kann am 29. 05. ein FAI-Dreieck von 84 km vollenden (mit den Wenden Eben-Kirche und Höhlensteinhaus). Erwähnenswert ist noch ein Flug nach Westen, Johannes Sturm fliegt am 23. 06. die seltene Route nach Füssen, ein Zielflug von 78 km.
Auch 1999 werden die Streckenflieger am Wallberg nicht mit den besten Verhältnissen belohnt. Vor allem sind in den letzten Jahren die wenigen wettertechnisch nutzbaren Tage meist Süd-/Süwestwindlagen. Bei etwas zu hoher Windstärke werden Aufgaben Richtung Süden fast unmöglich und in diese Richtung führen die wirklich großen Streckenaufgaben.

2000 Endlich wieder ein Hammerjahr.
Das Jahr 2000 wird endlich wieder mal ein Wallbergjahr. Bis zum Ende des Wallberg-XC-Cup werden Flüge mit an die 2400 Gesamtkilometer gewertet (eingereicht noch hunderte Kilometer mehr). Die Flüge werden an 11 (!) verschiedenen Tagen durchgeführt, die meisten davon im Mai. Der 9. und 10. Mai sind die ergiebigsten Tage des Jahres, wobei der Sieger des Wallberg-XC seine Flüge trotzdem am 23. 5. und am 17. 06. startet. Burkhard Martens erreicht mit einem nicht vollendeten flachen Dreieck über Gnadenwald und Marienbergjoch bis Jenbach 137,5 km und einem Zielflug über Kössen bis Schladming und angehängter freier Strecke bis Großsölk 167,2 km  und damit die Gesamtpunktzahl von 423. An diesen Tagen vollendet niemand sonst seine Aufgaben.
Am 9. und 10. Mai werden Zielflüge mit angehängter freier Strecke über 166, 125, 118, 97, 125 und 116 Kilometer vollendet. Außerdem schafft Tilo Siebold ein flaches Dreieck über 109 Kilometer (über Astenaualm  und Hafelekar). Erwähnenswert außerdem die Tatsache, daß am 10. 05. zweimal  das klassische Wallberg-FAI-Dreieck (Astenaualm und Eben, Pendling - 86 und 88 km) geflogen wird und zwar einmal links- und einmal rechtsrum. Die Liste der besonderen Flüge endet mit einem Zielrück von Stefan Mast, die Wende ist am Kreuzjoch. Um seinen Flug mit 99 km zu vollenden, muß Stefan zweimal das Inntal queren. Wer schon öfter vom Wallberg auf Strecke ging oder dies noch tun wird, wird wissen, wie schwierig die Inntalquerung schon nur einmal sein kann.
Nicht unerwähnt darf ein besonderer Flug bleiben, der zwar punktemäßig nicht ergiebig ist, dafür aber trotzdem ein Novum darstellt. Willi Brunner gelingt am 15. 05. die erste Alpenhauptkammüberquerung vom Wallberg aus, er landet in der Nähe von Bruneck im Pustertal (Südtirol).
Um die Qualität der eingereichten Flüge nochmal herauszustellen, ein Pilot mit einem Zielflug mit angehängter freier Strecke über 116 km und 161 Punkten kommt heuer im Wallberg-XC auf Platz 13.
Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß Flüge in eine Richtung immer noch sehr beliebt sind, aber mittlerweile auch am Wallberg immer mehr Piloten versuchen, geschlossenen Aufgaben zu vollenden.

2001 Was folgt auf ein Hammerjahr, richtig - ein besch..eidenes Streckenflugjahr. Man könnte auch sagen, das Motto heuer war „....vom Winde verweht“. Schönes und flugtaugliches Wetter zum Streckenfliegen trat in diesem Jahr übermäßig oft nur in Verbindung mit starkem West- bis Nordwind auf. Die Fliegbarkeit der einzelnen wenigen guten Tage war dann auch (jedenfalls in Punkten meßbar) von der Tagesform und der Motivation der einzelnen Piloten abhängig. Es gab fast keinen Tag, an dem mehrere Piloten in ihr Ziel kamen. Obwohl also die Risikofreudigkeit (oh, ich flieg ja mit 75 km/h über Grund, was kann das wohl bedeuten) arg strapaziert wurde, waren trotzdem alle sicher in der Einschätzung der Wettersituationen in Zusammenhang mit ihrem Flugkönnen. So war auch 2001 auf Strecke vom Wallberg aus kein Unfall zu vermerken.
 Die weiteren Flüge gingen bis auf einen Tag, den 26. 05., über die bewährte Ostroute (Richtung Kössen) oder waren abgebrochene Dreiecksversuche. Die Südroute, die auch „Normalpiloten“ erfolgreiche Kilometerjagd verspricht, fiel aus. Trotzdem wurden natürlich von den im Gelände erfahrenen Piloten wieder weite Strecken geflogen.
Insgesamt wurden in den beiden Klassen (der Sportklasse von DHV 1 bis, heuer zum erstenmal, DHV 2 und der offenen Klasse über DHV 2) 1.950 km gewertet (eingereicht entsprechend mehr). Die Aufwertung der Sportklasse um Schirme mit DHV-Gütesiegel 2 hatte, ähnlich wie im DHV-XC, zur Folge, daß in dieser Klasse mehr Piloten als in der offenen Klasse teilnahmen.
Der weiteste Flug gelang Willi Brunner mit einem Zielflug auf geknickter Bahn und freier Strecke. Der Flug ging mit 154 km über Kössen und das Riemannhaus bis nach Haus im Ennstal. Willi gewann auch die offenen Klasse mit 342 Punkten.
Die Sportklasse gewann Torsten Hahne mit 250 Punkten. Mit starkem Wind waren dann auch die Tage mit Dreiecksversuchen nicht von Erfolg gekrönt, der weiteste gelang Peter Hennig mit 126 geflogenen Kilometern auf flachem Dreieckskurs und Landung ca. 15 km vor dem Ziel. Der angesprochene 26. 05., an dem Flüge nach Süden möglich waren, konnte von Johannes Sturm mit 126 km nach Taxenbach am besten genutzt werden.

2002 Im Jahr 2002 wurden vom Wallberg aus so viele Streckenflüge dokumentiert wie noch nie. Das lag mit Sicherheit am neuen Dokumentations- und Eingabemodus für die deutsche Streckenflugmeisterschaft, seit 2002 auch Onlinecontest.
Es wurden aber auch so viele Flüge über 100 Km gemacht wie noch nie. Meiner Meinung nach war 2002 aus Streckenfliegersicht ein gutes Wallberg-Jahr.
Es ging schon ungewöhnlich früh los. Im März wurden schon einige ganz interessanten Flüge eingegeben. Sepp Gschwendtner flog bereits am 12.03. ein 37 km FAI-Dreieck. Der beste Tag im März war aber der 13.03. im Bereich Setzberg/Grubereck ging es auf 3400 m NN. Wotschi nutzte den Tag am besten und flog bis zum Hinteren Sonnwendjoch und zurück (44 km). Richtung Süden ging nichts, weil in der Höhe doch deutlicher Südwind herrschte.
Im April ging nicht viel vom Wallberg aus.
Anfang Mai war auch noch nicht viel los, aber am 17.05. war der erste Hammertag des Jahres am Wallberg. Obwohl die „Profis“ an anderen Bergen waren, wurden vier Flüge über 100 km dokumentiert; alle über das Zillertal ins Pinzgau gingen (Peter Hennig 155 km, Babsi Lacrouts 123 km, Bernd Hübner 120 km, Nichtclubmitglied Claus Vischer 106 km).
Dass dies auch wo anders der „Tag des Herrn“ war, zeigten Cristoph Kirsch und Sepp Gschwendtner. Sepp gelang vom Hochfelln aus mit fast 195 km der bisher weiteste Deutschlandflug mit dem Gleitschirm und Cristoph der weiteste Alpenflug mit einem Sportklasseschirm vom Zillertal aus mit fast 203 km.
Bei Basishöhen von 3700 m NN bereits am Grubereck war es bis ins Rofan gegen den spürbaren Südwestwind zäh, nach der Inntalquerung und Basis 3900 m NN am Hamberg gings zügig weiter Richtung Kaprun.
Vom 30.05. bis 02.06. waren wieder sehr gute Wallbergstreckentage an diesen Tagen wurden mehrere Flüge über 100 km gemacht. Die Routen führten sowohl über Kössen  als auch übers Zillertal. Willi Brunner und Torsten Hahne flogen am 01.06. 173 und 170 km Richtung Osten. Willi ist vom 31.05. bis 02.06. 450 km geflogen.
Mitte Juni waren noch zwei Tage an denen gute, aber keine außergewöhnlichen Flüge vom Wallberg aus geflogen wurden.
Der DGCTT war im abgelaufenen Streckenflugjahr im DHV-OLC so erfolgreich wie gewohnt. Mit 36  Teilnehmern war der DGCTT eine Macht, von diesen 36 Piloten wurden über 12 600 km dokumentiert (von Sepp Gschwendtner allein über 2500 km).

2003 Würde die Überschrift „Rückblick auf die Flugsaison am Wallberg“ lauten, wäre ein „Super“ sicher nicht übertrieben, denn von Ende März bis Ende August konnte man heuer am Wallberg so oft fliegen, wie schon lange nicht mehr.
Aus Sicht der Streckenflieger muss man da doch einige Einschränkungen machen. Die richtig guten Streckentage waren am Wallberg in der zurückliegenden Saison recht selten.

Nach einigen kleinen Rundflügen im Tal wurde die Streckensaison am 25.03. von Martin Walleitner mit einem für diese Jahreszeit recht ungewöhnlichen 55 km Zielrück zum Rofan eröffnet. Dass es so früh im Jahr schon recht gut ging, bewies Sepp Gschwendtner dann am 28.03. indem er ein FAI-Dreieck über 85 km flog (soweit ich mich erinnern kann, der punkthöchste Flug, der vom Wallberg aus im März je gemacht wurde).

Nach ca. einem Monat „Pause“ waren am 24.04. mehr als 50 Streckenjäger am Startplatz Alm versammelt. An diesem Tag wurden 34 Flüge mit Startplatz Wallberg beim OLC eingereicht.
Am weitesten flog an diesem Tag überraschender Weise ein Drachenflieger: ruhig Blut, es war keiner vom DGCTT (Oli Straten war an diesem Tag nicht am Wallberg). Franz Forster von den Isarwinklern flog 125 km nach St. Johann i. Pongau. Mit dem Schirm flog Sepp Gschwendtner über Kössen nach Taxenbach und kam  mit 106 km am weitesten. Einige kamen bis Waidring oder Kössen, die meisten standen, wie so oft, im Inntal.
Auch am 25.04. saß wieder eine ganze Horde Streckenflieger am Startplatz Alm; 27 Piloten reichten ihre Flüge beim OLC ein. Knapp die Hälfte davon flog Richtung Süden, der Rest Richtung Osten. An diesem Tag flogen 7 Piloten über 100 km, davon 4 vom DGCTT  (alle über den Gerlospaß in den Pinzgau), am weitesten flog wieder der Sepp mit 144 km.

Nun dauerte es wieder über einen Monat bis richtig gutes Streckenflugwetter kam. Kaum war die Ende Mai am Wallberg ausgetragene Bayer. Meisterschaft der Drachenflieger vorbei, wurde das Wetter wieder gut. So wurde am 02. und 03. Juni 5 mal über 100 km geflogen.
Am 02.06. flog Oli Straten ein 124 km flaches Dreieck. Am 03.06. flog Willi Brunner 125 km bis in den Pinzgau. An den beiden Tagen waren insgesamt nur 13 Streckenflüge vom Wallberg aus im OLC registriert.

Im Juli ging streckenfliegerisch am Wallberg nichts aufsehenerregendes mehr und alle gingen davon aus, dass es für dieses Jahr mit den weiten Flügen vom Wallberg vorbei ist.

Anfang August ging es am Wallberg aber dann doch noch recht gut. Zum Streckenfliegen war allerdings oft zu starker Wind. Am 13.08. waren noch einmal einige Streckenflieger am Starplatz Alm versammelt, nachdem es recht spät thermisch wurde, war der Optimismus gedämpft. 6 Piloten gingen dann Richtung Süden auf Strecke, alle flogen über 100 km. Am weitesten flog Toni Haslauer mit knapp 160 km über den Alpenhauptkamm nach Lienz in Osttirol, wohl einer der spektakulärsten Flüge vom Wallberg aus überhaupt.
Nach dem 13.08. kam ein Wetterumschwung und beendete die Streckenflugsaison am Wallberg.
 



Vom Wallberg auf Strecke

Blick auf Wallberg GipfelGrundsätzlich stehen dem Streckenflugaspiranten vom Wallberg aus alle vier Himmmelsrichtungen offen. Der Weg nach Norden wird allerdings recht bald durch das Bayerische Voralpenland und den aus Norden anströmenden Ausgleichswind erschwert. Bis an die Gindelalmschneid sind ca. 12 km zurückzulegen. Obwohl Füge nach Wall oder Kreuzstrasse und zurück bereits durchgeführt wurden, ist diese Routenführung nur an sehr windschwachen Tagen ohne deutlichen Talwind, also am ehesten im Herbst oder zeitigem Frühjahr, zu empfehlen. Ein Flug für Insider. Wer sich trotzdem Richtung Norden versucht und an der Baumgartenschneid scheitert kann hier am Cafe Kreuz, dem offiziellen Landeplatz der Drachen niedergehen.

Die drei weiteren Himmelsrichtungen werden häufiger beflogen und können alle mit einem Potential weit jenseits der 150 km Marke aufwarten.
 

  • Der Klassiker:Richtung Osten

  • In der Anfangszeit des Streckenfluges wurde vom Wallberg aus grundsätzlich nach Osten geflogen. Das ist nicht weiter verwunderlich, bieten Wetterlagen mit mäßigem West-Nordwest-Wind doch die besten Startbedingungen am Wallberg. Vorsicht ist bei diesem Wetter lediglich am Startplatz Alm mit zunehmender thermischer Aktivität ab ca. 13 Uhr geboten. Kräftige Turbulenzen können den Start dann so gefährlich werden lassen, daß am Gipfel gestartet werden muß. Dort wird der Startplatz von der Thermik frei und unverwirbelt angeströmt.

    XC-Neulinge sollen für ihren ersten Flug nach Osten am Wallberg eine Basishöhe von mindestens 2.400 m MSL erreichen. Das sichert den Anschluß an der Bodenschneid und an den weiteren Thermiktankstellen jeweils über Gratniveau. Tückische Leefallen werden so umgangen, das Absaufrisiko minimiert und die Steigwerte über dem Grat sind ohnehin meistens besser. Die Bodenschneid sollte aus Rücksicht auf in diesem Bereich nistende Adler und den Seelenfrieden der selbsternannten Naturschützer ohnehin über dem Grat angeflogen werden.

    Findet man dort keine Thermik ist es vom Gratniveau der Bodenschneid immer noch möglich, den offiziellen Gleitschirmlandeplatz, zumindest aber den Drachenlandeplatz am Cafe Kreuz zu erreichen.

    Der nächste Landeplatz Richtung Osten befindet sich in Neuhaus und ist von der Bodenschneid, der Brecherspitze oder dem Jägerkamp problemlos anzufliegen. Achtung! Im Bereich des Spitzingpasses ist mit auffrischenden nördlichen Talwinden zu rechnen. Aussenlandungen in diesem Bereich oder weiter südlich sind auf jeden Fall zu vermeiden. Der beste Bart steht ohnehin am nördlichen Ausläufer des Jägerkampes, der Nagelspitze.

    Auf dem Weiterflug nach Osten muß der Segelflugplatz in Geitau in ausreichender Höhe von mindestens 1.400 m MSL überflogen werden, um die Segelflieger nicht bei der Platzrunde oder beim Schleppvorgang zu behindern. Die Segler werden mittels Winde geschleppt. Der Start erfolgt immer nach Norden, die Landungen immer nach Süden. Am Seeberg ist bei der gemeinsamen Thermiksuche natürlich auf die bestehenden Hangflug- und Vorfahrtsregeln zu achten.

    Warnung! Der von den Segelfliegern häufig genutzte Leebart auf der Südwestseite des Seeberges ist nur für ausgezeichnete Textilpiloten und auch dann nur über Grathöhe auszukurbeln.

    Landeplatz BayrischzellLandeplatz Bayrischzell

    In Bayrischzell ist der nächste offizielle Landeplatz an der Straßenkreuzung in das Ursprungstal zu finden. Dieser ist von allen Seiten problemlos anzufliegen und mit einem großen Windsack markiert.

    Vor dem Weiterflug Richtung Inntal ist die Windrichtung am Vogelsang abzuschätzen. Nicht selten setzt sich der Talwind aus dem Inntal gegen den überregionalen Westwind durch und kommt über das Sudelfeld geströmt. Großflächige Leeturbulenz an den Westhängen des Vogelsangs sind die Folge. Große Windsäcke an den Startplätzen erleichtern die Beurteilung der Situation. Für einen sicheren Abflug in das Inntal mit der Option auf weiteren Anschluß am Zahmen Kaiser sollte die Abflughöhe am Sudelfeld nicht unter 2.500 m MSL liegen.
     

  • Für Zugvögel:der Weg nach Süden

  • Im Gegensatz zu der Strecke Richtung Kössen lag diese Streckenflugvariante jahrelang im Dornröschenschlaf. Das ist nicht weiter verwunderlich, da die Außenlandemöglichkeiten die ersten 20 Kilometer bis Achenkirch sehr bescheiden sind. Flüge in diese Richtung sollten daher auch eher von XC-Piloten angegangen werden, die bereits erste Streckenflugerfahrungen gesammelt haben. Der Höhenwind für diesen Flug sollte aus nördlichen Richtungen (Nord-West bis Nord-Ost ) kommen und nicht zu kräftig sein. Die Wolkenbasis sollte auf mindestens 2.200 m bis 2.400 m liegen, um ein sicheres Überfliegen der Schlüsselstellen zu ermöglichen.

    Über die Blauberge hinweg zum Achensee

    Nach dem Wallberg ist das Grubereck bzw. der Risserkogel die nächste sichere Thermiktankstelle. Auf ausreichende Höhe über dem Grat ist zu achten. Keinesfalls unter Gratniveau in die Südseite dieser Berge einfliegen! Heftiges Lee mit Schleuderwaschgang ohne sichere Landemöglichkeiten sind zu erwarten. Vor dem Weiterflug ist Basishöhe Pflicht, um an den Blaubergen Anschluß zu finden. Der einzige Notlandeplatz ist bei Wildbad Kreuth. Die Wiesen sind groß, bei Talwind aber ziemlich turbulent. Der Notlandeplatz bei Siebenhütten am Fuß der Blauberge ist zu meiden. (Leeturbulenz durch Bäume)

    Ebenso muß an den Blaubergen vor dem Weiterflug auf ausreichende Höhe geachtet werden. Der Gleitweg zu den nächsten Außenlandeplätzen in Achenkirch ist weit. Thermik ist an der Natterwand häufig zu finden, allerdings stark pulsierend. Außenlandungen auf der Südseite der Blauberge sind an Hochalmen möglich, aber teilweise durch Hanglage und Windsituation sehr anspruchsvoll. Außerdem muss in diesem Fall ein mehrstündiger Fußmarsch in Kauf genommen werden. An der Straße von Achenkirch nach Steinberg sind ebenfalls keine vernünftigen Landeplätze vorhanden.

    Das Gleiche gilt für den weiteren Flugweg vom Unnütz zum Rofan. Am Ufer des Achensees kann bis kurz vor Maurach nicht sicher gelandet werden! Einzige Notlandeplätze sind Hochalmen auf ca. 1.400 - 1.700 m MSL. Als sichere Abflughöhe am Unnütz können 2.800 m bis 3.200 m MSL angegeben werden. Mit diesen Höhen kann ohne großes Absaufrisiko das Kotalmjoch an der Nordseite des Rofan angeflogen werden. Und von dort ist es zum Landeplatz in Maurach nur mehr ein Katzensprung. Der am Seeufer liegende Landeplatz des Sicherheitstrainings nördlich von Maurach darf nur in Notsituationen angeflogen werden. Mit kräftigen Talwinden aus Nord oder Süd ist zu rechnen!
     

  • Für Spezialisten: die Westroute

  • Wer vom Wallberg aus in westliche Richtungen auf Strecke gehen möchte, sollte auf jeden Fall ein routinierter XC-Pilot sein und auf eine langjährige Streckenflugerfahrung zurückblicken können. Die Routenführung beinhaltet einige Lee-Fallen und zudem sind genau die Wetterlagen, die Flüge in westliche Richtungen erlauben, mit nicht zu unterschätzenden Startproblemen am Wallberg verbunden.

    Bei Winden aus östlichen Richtungen befinden sich nämlich sämtliche Startplätze am Wallberg im Lee! Mit zunehmender Thermik verstärkt sich diese Lee-Situation an den Startplätzen gewaltig. Der Start bei einem geplanten Streckenflug nach Osten sollte also möglichst frühzeitig zwischen 10 Uhr bis spätestens 12 Uhr mittags erfolgen. Der thermische Anschluß ist in diesem Fall eher unproblematisch, da die Ostseite des Wallberges um diese Uhrzeit bereits thermisch voll aktiv ist. Bei schwächerem Ostwind ist ist ein Start an der Alm teilweise möglich, ansonsten ist ein sicherer Start nur am Gipfel durchzuführen. In jedem Fall ist die Windsituation immmer kritisch zu prüfen und im Zweifelsfall sollten die erfahrenen Fliegerkollegen um Rat gefragt werden.

    WestrouteEine Alternativmöglichkeit bei Ostwind ist der Startplatz Bucherhang oberhalb von Bad Wiessee mit 120 m Höhendifferenz. Auch von hier aus sind beachtliche Strecken möglich.

    Ob vom Wallberg oder vom Bucherhang, der thermische Anschluss führt über den Hirschberg. Kann die Ausgangshöhe für den Weiterflug nicht erreicht werden, sollte unbedingt am Landeplatz Wallberg oder Bucherhang gelandet werden. Außenlandungen am Fusse des Hirschberges sind unbedingt zu vermeiden.

    Über den Kampen und Seeberg kann die Jachenau oder über Fockenstein und Geierstein das Isartal und das Brauneck erreicht werden. Bei einem Abflug vom Hirschberg über 2.400 m kann das Isartal im Gleitflug erreicht werden. An der Talstation der Brauneckbahn ist der nächste offizielle Landeplatz zu finden. Auch im Isartal herrscht am Nachmittag kräftiger Talwind aus nördlichen Richtungen.

    Torsten Hahne